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Was sind Frauen?

Wir haben viel darüber nachgedacht, als wir das Projekt begannen. Ja, Frauen die in der Landwirtschaft und Fischerei arbeiten klingt zunächst ziemlich eindeutig. Aber wenn man anfängt, tiefer zu graben, wen man eigentlich mit Frauen meint, wird es weniger klar.

Vielleicht habt ihr bemerkt, dass wir “Frauen (cis, trans, genderqueer und nicht-binär)” sagen. Das ist momentan das Beste, was uns eingefallen ist, aber es könnte sich noch ändern. Hier gibt es noch eine Menge zu lernen. Aber wie die großartige Dr. Maya Angelou sagte:

“Verzeihe dir, für das was du nicht wusstest bevor du es lerntest.”

Wir möchten also kurz erklären, warum wir uns entschieden haben, den Kreis der Menschen, denen wir Zugang zu dem Projekt geben wollen, über die cis-geschlechtlichen Frauen hinaus zu erweitern. Wenn ihr mit uns nicht übereinstimmt oder denkt, dass wir etwas Wichtiges übersehen haben, schreibt uns!  Wir versuchen unser Bestes, aber wir sind weit davon entfernt, alles zu wissen, was es zu wissen gibt.

Alles begann, als wir Mitglieder einer “Permakultur für Frauen”-Gruppe auf Facebook anschrieben. Viele Frauen reagierten positiv auf unsere Idee. Eine sagte, dass es gut klingt, aber dass wir es ausdrücklich für trans, genderqueere und nicht-binäre Menschen öffnen sollten. Hier sind einige wichtige Fragen, die uns danach durch den Kopf gegangen sind:

1. Welche Formen der Diskriminierung meinen wir genau?

Bevor wir diese Bemerkung zur Inklusivität erhielten, begannen wir unser Projekt mit der Aussage, dass wir jede interviewen wollen, die sich selber als Frau versteht. Dadurch konnten wir uns mit ihrer spezifischen Wahrnehmung ihrer Rolle in der Welt, den Barrieren und Chancen befassen, mit denen nur Frauen konfrontiert sind. Und ja, das war’s damals auch schon.

Aber dann schlich sich die Frage ein: “Was ist mit den Menschen, die sich nicht als Frauen identifizieren, die aber dennoch geschlechtsspezifischer Diskriminierung, Vorurteilen und Unterdrückung ausgesetzt sind? Wäre das nicht eher unser Forschungsgebiet? Die meisten von uns leben innerhalb der Grenzen einer Welt, die auf Patriarchat und weißer Vorherrschaft aufgebaut ist. Die “Etikettierung” einer jeden, die kein cis-geschlechtlicher Mann ist, als “Andere” (oder weniger als) ist eigentlich der Auslöser für all die geschlechtsspezifischen Probleme, mit denen wir konfrontiert sind. Um also niemanden zu übersehen, der irgendwie in die Kategorie passen könnte, an der wir interessiert sind, haben wir den Kreis der Personen erweitert, die in unserem Projekt porträtiert werden.

(Auch hier spielt die Intersektionalität eine große Rolle, aber dazu findet ihr später einen ganzen Blog-Artikel)

2. Schockiert die Erweiterung unserer Forschungsgruppe Frauen, die sich nicht als Feministinnen verstehen oder die nicht ganz verstehen, warum wir den Kreis der Befragten erweitert haben?

Eigentlich versuchen wir, uns nicht von der Angst beeinflussen zu lassen, Menschen vor den Kopf zu stoßen. Das passiert zum Beispiel oft, wenn man mit Männern über Feminismus spricht. Anstatt schockierte zu sein, würden wir uns wünschen, dass Menschen Fragen stellen und Nachforschungen anstellen, wenn sie bestimmte Begriffe oder Zusammenhänge nicht verstehen. Leider wachsen die meisten von uns in einer patriarchalischen, rassistischen, sexistischen und ableistischen (+) Gesellschaft auf, und wir sind zum Teil Produkte dieser Gesellschaft. Es ist also keine Schande, sexistische oder rassistische Vorstellungen zu verinnerlichen, aber als Individuum muss man anfangen, sie zu hinterfragen und zu versuchen, sie zu verändern.

Aber bei unserem Projekt ist das alles ein bisschen anders. Wir wollen integrativ sein, wir wollen trans, genderqueere und nicht-binäre Menschen direkt ansprechen und die Plattform für sie öffnen, aber wir wollen auch das tägliche Leben aller Bäuerinnen darstellen, und es mag viele geben, die diese Begriffe nicht verstehen.

Liebe Interviewte,

es war uns eine Freude, mit euch zu sprechen und mehr über eure Geschichte zu erfahren. Wir möchten Geschichten von Frauen und Menschen unterschiedlichen Geschlechts hören, die überall auf der Welt systemischer Unterdrückung ausgesetzt sind, und glauben, dass eine inklusivere Sprache ein Weg ist, Dialoge zu eröffnen und alle an den Tisch einzuladen. Lasst euch also bitte nicht durch die von uns verwendeten Begriffe verwirren, sondern folgt uns auf dieser Reise und hört euch an, was all die liebenswerten Menschen, die wir interviewen, zu sagen haben! Danke,

WAF-Team

3. Gebt nicht vor, Vielfalt darzustellen, wenn ihr es nicht tut.

Wie viele der Befragten sind also transsexuell? Bislang keine. Wie viele sind genderqueer? Keine, bisher. Wie viele sind nicht-binär? Keine. Das heißt, sie waren alle cis? Ja, das ist korrekt. Warum listet ihr dann all diese Leute auf, wenn ihr eigentlich nicht mit ihnen sprecht – es ist, als ob man Gesetze schafft, um ein diskriminierendes System abzuschaffen, aber nicht danach handelt – es sind nur schöne Worte ohne Wirkung.

Das ist wahr, aber lasst uns erklären, warum wir diese Kategorien in der Liste behalten.

Erstens glauben wir, dass der erste Schritt zur Bekämpfung von Diskriminierung und zum Erreichen von Inklusivität darin besteht, Diskriminierung anzuerkennen und zu benennen. Indem wir also diese Gruppen offiziell zu unserem Projekt einladen, versuchen wir zu zeigen, dass wir uns der unterschiedlichen Hindernisse bewusst sind, mit denen die verschiedenen Gruppen konfrontiert sind, und dass wir versuchen, einen intersektionellen Ansatz zu verfolgen. Wir informieren die Menschen auch darüber, dass wir bereit sind, mehr darüber zu erfahren, und dass wir offen für Kritik sind.

Zweitens ist es wichtig, über die möglichen Gründe nachzudenken, warum noch keine unserer Befragten trans, genderqueer oder nicht-binär ist. Könnte es daran liegen, dass es nicht genügend sichere Räume gibt, die für diese Menschen überhaupt zugänglich sind, so dass wir Schwierigkeiten hätten, sie in unserem Projekt mit einzubeziehen? Sind sie mit ihrer eigenen Ausgrenzung und Unterdrückung in Räumen konfrontiert, die den cis-Frauen vorbehalten sind? Könnte es sein, dass sie sich aufgrund vergangener Traumata nicht wohl fühlen, Teil eines solchen Projekts zu sein? Das ist auch ein Grund, warum es so wichtig ist, explizit integrativ zu sein und einen Raum zu schaffen, in dem sich diese Menschen willkommen und sicher fühlen. Wenn nicht, riskieren wir nicht nur, anderen zu schaden, sondern unsere Studie läuft auch Gefahr, einen Teil der Bevölkerung auszulassen, der wichtige Erfahrungen zu teilen hat.

Dann kommt natürlich der Punkt, an dem wir handeln müssen und es nicht nur auf unsere Website schreiben dürfen! Wir befinden uns noch am Anfang und haben daher die Frauen um uns herum oder zu denen wir leichten Zugang haben, kontaktiert. Wir versprechen, dass sich dies im Laufe des Projekts ändern wird! Wir werden unser Bestes tun, um dieses Versprechen zu halten, aber falls wir es nicht tun, zögert nicht uns darauf aufmerksam zu machen.

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